„Über jeden Berg führt ein Weg“: Diese Lebensweisheit ist untrennbar mit Karla Schefter verbunden und charakterisiert ihre Arbeit und ihren Lebensweg. Am 3. März 2026 ist Karla Schefter gestorben. Der Verein zur Förderung medizinischer und humanitärer Hilfe in Afghanistan e.V. sowie ihre Weggefährtin Dr. h. c. Ramona Schumacher, bis 2020 Vorstandsmitglied des Vereins, erinnern in diesem Beitrag an sie.

Am 25. März 1942 wurde Karla Schefter in Allenstein in Ostpreußen geboren. Sie musste als Flüchtlingskind schon früh lernen, schwierige Situationen zu überwinden. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie als leitende und hochgeschätzte OP-Schwester in Dortmund.
Schon damals stellte sie die Hilfe der Ärmsten in den Mittelpunkt ihres Lebens. Sie arbeitete häufig im Ausland und beschloss 1989 ein Krankenhaus in Chak/Afghanistan aufzubauen und selbst zu leiten. Seitdem widmete sie sich mit unermüdlichem Einsatz und ohne sich selbst zu schonen diesem Projekt.
Am Anfang waren es zwei Räume im Wasserkraftwerk, eingerichtet als provisorische Ambulanz, wo mit äußerst einfachen Mitteln gearbeitet und sogar operiert wurde. 1991 wurde dann das 60-Betten-Krankenhaus in Chak fertiggestellt, es folgten Erweiterungen der Räumlichkeiten. Von Beginn an arbeitete Schefter nur mit afghanischen Mitarbeitenden in allen Arbeitsfeldern. Immer wurden auch Frauen in zahlreichen klinischen Berufen ausgebildet und weiter beschäftigt.
Bis 2020 lebte Karla Schefter jährlich neun Monate in Chak und führte das Chak-e Wardak Hospital. Sie sorgte für die Beschaffung notwendiger Güter und Geräte und pflegte die wichtigen politischen Kontakte mit den jeweiligen Herrschenden. In den übrigen drei Monaten war sie in Deutschland unterwegs, hielt Vorträge und sammelte Spenden für ihr Projekt.
Ohne dieses Engagement gäbe es bis heute in der Provinz Wardak nur eine sehr eingeschränkte medizinische Versorgung. Die Errichtung sowie stetige Verbesserung und Erweiterung des Krankenhauses bedeutet für die Menschen dort seit 1989 professionelle medizinische Hilfe. Nach wie vor werden dort täglich Leben gerettet.
Trotz Krieg, Herrschaft der Taliban und ständig wechselnder politischer Verhältnisse gelang es Karla Schefter – gemäß ihrem Grundsatz „Über jeden Berg führt ein Weg“ –, das Vertrauen sowohl der Herrschenden als auch der Bevölkerung zu gewinnen. Neutralität, Unabhängigkeit und Gerechtigkeit gegenüber allen waren dabei stets ihr oberstes Prinzip. Der Betrieb des Krankenhauses musste zu keiner Zeit eingestellt werden, das Krankenhaus war immer ein Ort des Friedens.
Viele Jahre lang war Karla Schefter Mitglied im DBfK. Lange engagierte sie sich auch in der AG OP. Als Zeichen besonderer Wertschätzung konnte sie bei der Festveranstaltung „100 Jahre DBfK“ im Jahr 2003 einen Vortrag über ihre Arbeit halten.
Für ihr außergewöhnliches Engagement wurde Karla Schefter mit zahlreichen Ehrungen bedacht, darunter das Bundesverdienstkreuz und der Deutsche Pflegepreis des Deutschen Pflegerats (2009). Besonders stolz war sie auf die Verleihung des Malalai-Ordens im Jahre 2006, der höchsten Auszeichnung für Frauen in Afghanistan. Wichtiger für sie war jedoch das Vertrauen und der Dank ihrer Mitarbeitenden und ihrer über zwei Millionen Patient:innen. Sie hat das erreicht, was sie sich immer gewünscht hatte: Den Menschen in Afghanistan weniger Schmerz und mehr glückliche Tage zu schenken.
Am 3. März 2026 ist Karla Schefter friedlich eingeschlafen. Ein unglaublich bewegtes und erfülltes Leben ist zu Ende gegangen. Mit Demut und in großer Dankbarkeit blicken wir auf ihr beeindruckendes Lebenswerk. Sie war eine bemerkenswerte Frau und Freundin.
Spendenkonto für das Lebenswerk Karla Schefters
Komitee
zur Förderung medizinischer und humanitärer Hilfe in Afghanistan e.V.
IBAN DE70 4405 0199 01810000 90
BIC DORTDE33
Sparkasse Dortmund
Vermerk: Karla
Schefter