Die 12. Fachtagung „Pflegepädagogik im Diskurs“ in Düsseldorf stand im Zeichen der aktuellen Transformation der Pflegebildung. Die Teilnehmenden aus Bildung, Praxis und Wissenschaft diskutierten zentrale Herausforderungen und Zukunftsperspektiven: von neuen Kompetenzprofilen über digitale Anforderungen bis hin zur Frage, wie Kompetenzentwicklung unter komplexen Bedingungen gelingen kann.
Prof. Dr. Wolfgang von Gahlen-Hoops (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) zeigte in seinem Beitrag zur Bildungsarchitektur der Pflege, wie Berufsbilder und Rollenprofile aus dem Projekt BAPID II (Bildungsarchitektur der Pflege in Deutschland) weiterentwickelt und in standardisierte Kompetenzprofile überführt wurden.

Diese schaffen mehr Klarheit über Verantwortlichkeiten in der Pflege und bieten wichtige Orientierung für Praxis, Bildung und Politik. Zugleich wurde mit BAPID III eine fundierte Grundlage für die weitere Diskussion und Weiterentwicklung pflegerischer Rollen gelegt. Ergänzend stellte er das Projekt BiLeP (Berufliche Situation und Bildungswege von Lehrenden im Fachbereich Pflege) vor, das die Qualifizierung und Ausbildungssituation von Lehrpersonen in der Pflege in den Blick nimmt. Hierzu wird es demnächst auch einen Aufruf an Pflegepädagog:innen zur Teilnahme an Interviews geben.
Informationen zum Projekt BiLeP
Digitale Kompetenzen als Schlüsselanforderung
Prof. Dr. Ursula Hübner (Hochschule Osnabrück) präsentierte Ergebnisse einer internationalen Umfrage zu Anforderungen an digitale Kompetenzen im Pflegeberuf. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass insbesondere Patient:innensicherheit, Pflegedokumentation, Datenschutz sowie grundlegende digitale Kompetenzen als zentral für die berufliche Praxis eingeschätzt werden. Gleichzeitig zeigen sich Unterschiede je nach Tätigkeitsfeld, während komplexere Themen wie Künstliche Intelligenz bislang eine geringere Relevanzzuschreibung erfahren. Insgesamt wurde deutlich, dass digitale Kompetenzen systematisch und verbindlich in der Pflegeausbildung verankert werden müssen.
Kompetenzentwicklung
im Umgang mit Komplexität
Prof. Dr. Heidi Kuckeland (FH Münster) rückte die Kompetenzentwicklung in der Pflege in den Mittelpunkt und stellte heraus, dass pflegerische Handlungssituationen durch hohe Komplexität, Dynamik und Unsicherheit geprägt sind. Kompetenz zeigt sich dabei in der Fähigkeit, diese Komplexität professionell zu bewältigen. Sie machte deutlich, dass sich Kompetenzanforderungen entlang der Qualifikationsniveaus deutlich unterscheiden und mit wachsender Verantwortung für komplexe Pflegeprozesse zunehmen. Als zentrale Strategien wurden u. a. die Arbeit mit komplexen Fallsituationen, simulationsbasiertes Lernen, reflexive Lernprozesse sowie eine stärkere Individualisierung von Lernangeboten hervorgehoben.

Workshops: Praxisnahe Vertiefung und kollegialer Austausch
Die Workshops boten den Teilnehmenden die Möglichkeit, zentrale Themen der Pflegebildung praxisnah zu vertiefen und eigene Fragestellungen einzubringen. Im Mittelpunkt standen innovative didaktische Ansätze, der Umgang mit heterogenen Lernvoraussetzungen sowie der Einsatz digitaler Medien in Lehr-Lern-Prozessen.
Besonders geschätzt wurde der intensive kollegiale Austausch, der Raum für neue Perspektiven und konkrete Impulse für die eigene Bildungsarbeit eröffnete. Für das beziehungsorientierte Pflegekonzept respectare® ist eine Handreichung verfügbar.
Podiumsdiskussion: Kontroverse Perspektiven auf die Zukunft der Pflegebildung
Den Abschluss der Tagung bildete eine Podiumsdiskussion mit Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft und Praxis, u. a. mit Referatsleiter Lukas Schmülling aus dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) NRW. Diskutiert wurden insbesondere die Auswirkungen aktueller gesetzlicher Entwicklungen, der Wandel von Lernkulturen sowie Herausforderungen der Kompetenzentwicklung. Deutlich wurde, dass die Weiterentwicklung der Pflegebildung nur im Zusammenspiel aller Akteur:innen gelingen kann und weiterhin differenzierte, auch kontroverse Diskussionen erforderlich sind, um tragfähige Lösungen für die Zukunft zu entwickeln.
Die Tagung zeigte insgesamt, dass Pflegebildung vor der Aufgabe steht, strukturelle Veränderungen, digitale Entwicklungen und steigende Kompetenzanforderungen zusammenzuführen. Sie bot wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der pflegeberuflichen Bildung und unterstrich die Bedeutung eines kontinuierlichen fachlichen Dialogs.
Hinweis: Die Vorträge stehen mit Zustimmung der Referent:innen auf dieser Seite vier Wochen zum Download bereit.