23.07.2026
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Südwest begrüßt den Start der ersten sechs Modellvorhaben im Förderprogramm „OrtsNahePflege BW“. Das Programm setzt an einem zentralen Punkt an: Menschen mit Unterstützungs- und Pflegebedarf brauchen verlässliche, gut vernetzte Angebote in ihrem direkten Lebensumfeld.
„Das Land Baden-Württemberg fördert mit dem Programm Versorgungsformen, die angesichts des demografischen Wandels und des zunehmenden wirtschaftlichen Drucks im Gesundheitswesen dringend gebraucht werden“, erläutert Andrea Kiefer, Vorsitzende des DBfK Südwest. „Prävention, frühzeitige Unterstützung und eine gute pflegefachliche Begleitung vor Ort können dazu beitragen, dass gesundheitliche Probleme nicht unnötig eskalieren und Menschen länger selbstständig leben können.“
Der DBfK Südwest sieht insbesondere im Einsatz von Community Health Nurses – speziell qualifizierte Pflegefachpersonen mit Masterabschluss und besonderer Kompetenz für komplexe Versorgungssituationen – eine sinnvolle Ergänzung der Modellvorhaben. Die hoch qualifizierten Pflegefachpersonen arbeiten aufsuchend im Quartier, schätzen gesundheitliche und pflegerische Risiken ein, beraten Betroffene und Angehörige und stimmen notwendige Unterstützungsangebote miteinander ab.
Gerade wenn die finanziellen Spielräume im Gesundheitswesen enger werden, braucht es Strukturen, die vorhandene Ressourcen gezielter einsetzen. Community Health Nurses können frühzeitig intervenieren, unnötige Versorgungslücken vermeiden und die Zusammenarbeit zwischen Hausarztpraxen, Pflegediensten, Krankenhäusern, Kommunen und Beratungsstellen stärken.
„Es geht nicht darum, weitere Strukturen neben den bestehenden Angeboten aufzubauen“, betont Kiefer. „Es geht darum, pflegefachliche Kompetenz dort einzusetzen, wo sie für die Menschen unmittelbar und vor allem rechtzeitig wirksam wird.“
Der DBfK Südwest regt deshalb an, in den bereits ausgewählten Modellvorhaben zu prüfen, wo Community Health Nurses die geplanten Ansätze sinnvoll ergänzen können. In weiteren Projekten sollten sie von Beginn an eingeplant und ihre Wirkung wissenschaftlich untersucht werden.
„Erfolgreiche Modelle brauchen anschließend eine verlässliche Perspektive für die Regelversorgung. Diese darf nicht an fehlender Finanzierung scheitern – hier sind die Kostenträger und auch die Kommunen gefordert, tragfähige Lösungen zu entwickeln“, so Kiefer.